Quiet Quitting: Was bedeutet der TikTok-Trend für den Arbeitsmarkt?

Seit einigen Wochen hört man auf LinkedIn und in den sozialen Medien vermehrt von „Quiet Quitting“. Geprägt hat diesen Begriff ein TikToker namens Zaid Zepplin, der auf der Social-Plattform ein vielfach geklicktes Video zu diesem Thema hochgeladen hat. Seitdem diskutieren User in den sozialen Medien wie TikTok, Twitter und Instagram aber auch auf der Business-Plattform LinkedIn über den Begriff.

Wir haben uns die Berichterstattung zum Quiet Quitting angesehen und fassen dir zusammen, was der Begriff bedeutet und welches Phänomen dahinter steckt.

Was ist „Quiet Quitting“?

Der Begriff „Quiet Quitting“ kommt aus dem Englischen und lässt sich 1:1 ins Deutsche übersetzen als „leises Kündigen“. Im Arbeitsalltag hat der Begriff jedoch nichts mit der tatsächlich drohenden Kündigung zu tun. Hinter dem Begriff steckt mehr als eine Kündigung, wie die Berichterstattung im Zusammenhang mit dem TikTok-Trend zeigt. „Quiet Quitting“ im Arbeitsleben heißt viel mehr nur das zu machen, wofür man bezahlt wird und nur das zu leisten, was im Arbeitsvertrag steht. (Unbezahlte) Überstunden sowie Sonderaufgaben außerhalb des eigenen Arbeitsbereiches, Arbeiten am Wochenende und eine ständige Erreichbarkeit werden nicht geleistet, denn der Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag werden bewusst Grenzen gesetzt. Die eigene mentale und körperliche Gesundheit wird über die Arbeit gestellt. In der Arbeitswelt kennt man „Quiet Quitting“ auch als „Dienst nach Vorschrift“. Das Phänomen herrscht derzeit vor allem im amerikanischen Raum vor, daher liegen bisherigen Studien oder Umfrageergebnisse vor allem aus den USA vor.

Insbesondere bei der jüngeren Generation und Berufseinsteigern trifft der Begriff den Nerv: Während bei älteren Generationen die Arbeit Vorrang hat, pochen jüngere Leute auf eine bessere Work-Life-Balance sowie mehr Lebensqualität und Zeit für die persönliche Entfaltung.

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Die Generationen und der Arbeitsmarkt: eine Beobachtung der Arbeitsmoral

Jede Generation hat eigene Werte und Haltungen, die sie prägt und für die sie einsteht. So unterscheiden sich die unterschiedlichen Generationen auch auf dem Arbeitsmarkt:

  • Generation Babyboomer (Jahrgang 1945-1964): karriereorientierte Generation, die Führungspositionen angestrebt und für die Arbeit einen sehr hohen Stellenwert hat
  • Generation X (Jahrgang 1965-1979): ambitionierte Generation, die über eine gute Berufsausbildung verfügt und Arbeit sowie Geld als Mittel zum Zweck ansieht, um sich ein gutes Leben zu finanzieren
  • Generation Y (Jahrgang 1980-1993): die Generation Y, auch Millennials genannt, ist lernbereit, anpassungs- und arbeitswillig und setzt sich mehr mit der Work-Life-Balance auseinander; eine Führungsposition wird weniger angestrebt, da das fachliche Wissen und die fachliche Selbstverwirklichung wichtiger ist
  • Generation Z (Jahrgang 1966-2010): bei der Generation Z ist die Trennung von Arbeit und Freizeit am meisten ausgeprägt und die Arbeit wird der persönlichen Entfaltung untergeordnet; zudem ist der Generation Z sind eine Wertschätzung der geleisteten Arbeit durch andere wichtig

An dieser Stelle möchten wir betonen, dass dies eine Pauschalisierung der Generationen ist und nur die Hauptmerkmale der jeweiligen Generation eine Art Vergleichbarkeit zulassen. Das Verhalten einzelner Individuen, die von diesen Merkmalen abweichen, wird in der allgemeinen Unterteilung nicht berücksichtigt.

Die Generation Z hat auf dem Arbeitsmarkt eine andere Einstellung zur Arbeit als andere Generationen
Die Generation Z, die als Berufseinsteiger auf den Arbeitsmarkt kommt, (© stock.adobe.com/Nithya)

Faktencheck: Wie viele Überstunden machen wir?

In einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem März 2022 wurde die Anzahl der bezahlten und unbezahlten Überstunden deutscher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Zeitraum 2000 bis 2021 erhoben.

Aus dieser Studie geht hervor, dass die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Jahr 2007 den Höchststand an unbezahlten Überstunden erzielt haben: Ein Angestellter machte ich Schnitt 35,1 unbezahlte Überstunden. Im Jahr 2021 waren es hingegen „nur“ noch 21,8 unbezahlte Überstunden pro Angestellten.

Auch bei den bezahlten Überstunden zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Machten deutscher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 2007 24,5 bezahlte Überstunden, waren es 2021 noch 20 Überstunden.

Bereits aus den Zahlen lässt sich erkennen, dass die Anzahl der bezahlten und unbezahlten Überstunden deutscher Arbeitnehmer in den letzten zwei Jahrzehnten gesunken ist. Auch die Generation Z strebt danach, nicht mehr Überstunden zu leisten, sondern eine bessere Work-Life-Balance und individuelle Arbeitsmodelle zu etablieren.

Quiet Quitting: Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt?

Aktuell sind in Deutschland circa 1,93 Millionen Stellen unbesetzt, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Mitteilung veröffentlichte. Unternehmen suchen Fachkräften, diese Fachkräfte wiederum haben eine große Auswahl an offenen Stellen. Man spricht im Zuge dessen auch von einem Bewerbermarkt seitens der Arbeitnehmer sowie einem „War of Talents“ seitens der Unternehmen und Arbeitgeber.

In den nächsten Jahren werden die Fach- und Führungskräfte der geburtenstarken Generation der Babyboomer den Arbeitsmarkt verlassen und in der Arbeitswelt fehlen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass im Zuge dessen weitere 3 Millionen Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt fehlen werden.

Abschließend bleibt zu sagen, dass sich der Arbeitsmarkt in Deutschland, wie auch schon in den letzten Jahren, aus den vorangestellten Gründen zu einem Bewerbermarkt verschiebt. Die Fachkräfte haben eine große Auswahl an offenen Stellen und die Macht des Arbeitsmarktes liegt auf ihrer Seite, denn die Unternehmen müssen wiederum um jeden neuen und bestehenden Mitarbeiter kämpfen. Im Zuge dessen werben Unternehmen mittels Benefits und flexibleren Arbeitsmodellen um Fachkräfte. „Quiet Quitting“ verleiht dem Arbeitsmarkt demnach eine weitere Dimension, in der es mehr um individuelle Arbeitszeiten und Arbeitsweisen geht. Die Corona-Situation hat bereits gezeigt, dass in einigen Berufen Homeoffice zur modernen Arbeitsweise gehört. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist demnach eine Herausforderung für Arbeitgeber, aber auch eine Chance für kommende Generationen. Das „Quiet Quitting“ wird den deutschen Arbeitsmarkt daher nicht umkrempeln, da das Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt bereits seit Jahren herrscht, aber der Arbeitsmarkt wird für individuelle Ansprüche praktikable Antworten finden müssen. Berufseinsteiger und jüngere Generationen wollen per se nicht weniger arbeiten, sondern anders arbeiten.

Im Gespräch  mit einem Personalberater haben wir bereits 2021. über Trends und Entwicklungen am Arbeitsmarkt beeinflusst durch die Coronapandemie gesprochen. Erfahre, welche Annahmen sich bereits bestätigt haben.


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